Wirtschaftsforum Hannover
Am 21. April diesen Jahres fand zum 4. Mal das Deutsch-Japanische Wirtschaftsforum im Rahmen der Hannover Messe statt.
Die Hannover Messe stand 2010 im Motto „Mobility & Energy“ und lud Aussteller aus der ganzen Welt ein im Dialog neue Wege und Lösungen für die Fortbewegung der Zukunft zu finden. Das Deutsch-Japanische Wirtschaftsforum fand daher in diesem Jahr unter dem Titel „klimafreundliche Mobilität – Japan und Deutschland als Vorreiter“ statt. Die Beiträge durch Vertreter der Wirtschaft und Politik legten inhaltlich einen Schwerpunkt auf die private Personenbeförderung, die weltweit den größten Anteil am Ausstoß von Treibhausgasen trägt.
Der Vortrag „Elektromobilität als Teil der Energieeffizienzstrategie der Bundesrepublik im Verkehr“ durch die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie GmbH eröffnete die Key Notes des Tages nach den Grußworten durch den Botschafter Japans S. E. Dr. Takahiro Shinyo, welcher beide Länder zur Zusammenarbeit aufrief.
Herr K. Bonhoff zeichnete ein nachvollziehbares Bild der heutigen Situation in Deutschland, zu erwartene Schwierigkeiten in der Umsetzung einer Minimalausstoß generierenden Verkehrslandschaft und den Optionen für die Zukunft.
Herr Bonhoff war nicht der Einzige an diesem Tag, der eine Konzentration auf eine einheitliche Lösung und damit Festlegung auf das Elektroauto als den falschen Weg ansah. Nur mit batteriebetriebenen Fahrzeugen kann dem heutigen Fahrkonsum der Welt beigekommen werden.
Die Batteriesysteme und deren Einbringung in die Fahrzeuge haben ihre Leistungsgrenzen. Momentan verwendeten Lithiumbatterien erreichen je nach Hersteller und Fabrikat Distanzen von 86 km bis 160 km(Herstellerangaben). Damit bieten diese Autos Lösungen für den Gebrauch im Bereich der Kurz- und Mittelstrecken, sind jedoch für Langstrecken ungeeignet.
Die zentralisierte, gebündelte Gestaltung des deutschen Energienetzwerkes steht der nötigen Versorgung mit Energie für Fahrzeuge überall und im Austausch mit anderen Teilnehmern noch im Weg.
Dr. W. Brinker, Vorstandvorsitzender der EWE AG, wies in seinem Vortrag zu „Der Rolle der Elektromobilität in einem intelligenten Energienetz der Zukunft“ auf diese Problematik hin.
Das „Etelligence-Konzept“ der EWE AG zielt auf die Integration erneuerbarer Energiequellen in bestehende Netzwerke der Energieversorgung ab. Durch diese Integrationen sollen regionale engmaschige Netze entstehen mit vielzähligen Lade- und Entladestationen. Das finale Ziel des Energielieferanten ist eine vernetzte, interkommunikative Energielandschaft die den Austausch von Haushalten, Kraftwerken und mobilen Einheiten möglich macht. Demnach sind Autos nicht mehr Endnutzergeräte sondern mobile Energiezwischenspeicher, kurzum Batterien.
Bereits heute führen sowohl EWE als auch NOW Tests in ausgewählten Gebieten in Deutschland durch. EWE entwickelte dazu ein eigenes Elektrofahrzeug in Zusammenarbeit mit Karmann. Der E3 enthält ein Lithium-Ionen-Speicher in seinem Chasey und hat eine maximale Reichweite von 160 km.
Die 3 Testfahrzeuge sind im Niedersachsen und Bremen unterwegs. EWE erhofft sich durch diesen Testlauf Ergebnisse über das Energienetzwerk und die nötigen Anpassungen für eine elektronische Automobilgesellschaft der Zukunft.
NOW führt in 8 Modellregionen u.a. Bremen/Oldenburg, Berlin und Hamburg das Programm „Modellregionen Elektromobilität“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) durch. Das Förderbudget des Programms, das von 2009 bis 2011 läuft, liegt bei 115 Millionen Euro, diese Mittel stammen aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung.
Auch die japanische Regierung erkannte die Wichtigkeit der Energienetzgestaltung und Integration der Automobilität in die Stromnetze der Zukunft. Dem deutschen NOW gleich agiert das NEDO in Japan mit jährlichen Mitteln von 2 Milliarden € des METI. Es stellt damit das größte F&E Institut Japans dar. Das NEDO funktioniert dabei als Schnittstelle zwischen Forschungseinrichtungen, Politik und Universitäten. Wie das deutsche NOW arbeitet NEDO an der Entwicklung von intelligenten, kommunikativen Energienetzwerken, der Einbindung von CO₂ armen Stromerzeugern und erneuerbaren Energiequellen in bestehende Strukturen und der Weiterentwicklung von Energiezwischenspeichern.
Das „Smart Community“ Projekt der NEDO verfolgt dabei die Vernetzung von Haushalten, Geschäften, Mobilität und Wirtschaft miteinander um ein dezentralisierte Stromversorgung zu gewährleisten.
Bereits wenige Wochen nach Gründung der Japan Smart Community Association hatten sich 287 Firmen angemeldet um an diesem zukunftsweisenden Projekt beteiligt zu werden. Das NEDO arbeitet nun an einer effektiven Kommunikationsbasis um die Zusammenarbeit der einzelnen Parteien zu ermöglichen.
Die Beiträge der beiden Automobilhersteller Toyota und Volkswagen beleuchteten die Problematik einer energieabhängigen Gesellschaft in der Mobilität.
Toyotas Referent Herr B. Günewald betonte dabei die Erfolge Toyotas bei der Hybridtechnologie und legte nah nicht außer Augen zu verlieren, dass eine reine strombetriebene Mobilität gerade in Anbetracht des Gewichtes der nötigen Batterien nicht sinnvoll sei. Herr Dr. T. Lösche von der Konzernforschung Antriebe Volkswagens setzte diesen Gedanken fort und verwies auf die Möglichkeiten die durch CO₂-arm produzierten Wasserstoff und dem Gewinn aus gewichtreduzierenden Aluminiumkarossieren und anderen treibstoffsparenden Technologien kurzfristig gewonnen werden können.
Beide Referenten waren sich einig darüber das es auf Deutschlands Straßen auch 2050 nicht DAS Fortbewegungskonzept geben wird sondern ein bunter Mix an energiesparenden, Hybridtechnologienutzenden und CO₂ -sparenden Fahrzeugen unterwegs sein wird.
Die Kombination der zur Verfügung stehenden Energiekonzepte wird langfristig wichtig sein.
Die anschließende Podiumsdiskussion zeigte klar, dass sowohl Regierung als auch Wirtschaft an einander hohe Ansprüche stellen.
Während sich die Automobilhersteller eine klare Standardisierung für die Fahrzeugendrechnung von CO₂-Werten und eine Standardisierung von Ladesystemen und -stationen wünschten, um eine Wettbewerbsverzerrung des CO₂-Verbrauches bei Fahrzeugen zu vermeiden, verlangte EWE nach einem Energiekonzept der Regierung für die überregionale Ausgestaltung von Energienetzwerken und eine Senkung der Stromproduktionskosten.
Herr Lösche regte desweiteren längerfristige Rahmenbedingungen an, um Autoherstellern eine zukunftsorientierte Planung zu ermöglichen, die von den 4-5 jährigen Regierungswechsel abgekoppelt ist.
Was alle 3 Teilnehmer der Wirtschaft einhellig forderten war eine finanzielle Unterstützung in der Forschung und Entwicklungsarbeit. Es bleibt an dieser Stelle zu hinterfragen, ob der Staat hier nicht finanziell nachbessern soll, was deutsche Automobilhersteller verschlafen haben zu leisten in den kostenintensiven Anfangsjahren der Forschung im Vergleich zu japanischen und den aufholenden ostasiatischen Herstellern.
Die Regierung, vertreten durch NOW, war es dann auch, die auf die Gespräche am 3. Mai mit der Bundeskanzlerin in Berlin hinwies und eine Umsetzung der Ideen die bereits existieren forderte. Das ein First-Mover Vorteil auch mit Kosten verbunden ist will hier niemand abstreiten, aber einen finanziellen „Aufpäppelkurs“ scheint auch Berlin momentan nicht leisten zu wollen.
Herr Dr. Bonhoff wies abschließend noch einmal auf die zukunftsträchtigere Unterstützung der in den letzten Jahren sträflich beachteten elektrochemischen Studiengänge hin und betrachtet Mittel für Universitäten und unabhängige Forschungseinrichtung für relevant an.
Das Wirtschaftsforum war insgesamt eine gelungene runde Veranstaltung die auch für Laien einen informativen Überblick lieferte und die Mitglieder des Japanforums noch auf der Rückfahrt in spannende Gespräche verwickelte. Viele Fragen waren angeschnitten worden und die Problematik der sinnvollen Einsetzung von finanziellen Mittel und Forschung war auch nach der Ankunft in Bremen nicht endgültig geklärt. Besonders der aufgeworfene Punkt, dass Elektroautos nur so sauber sind wie ihr Strom-Mix und Deutschland seine Stromproduktion momentan zu 8 0 % aus fossilen und zu 11 % aus Kernenergie bezieht, lies die diesjährigen Teilnehmer grübeln, ob ein Einsatz von Elektroautos im momentanen Stadium sinnvoll sei.
Die persönliche Auseinandersetzung mit der Frage, ob man selber bereit wäre ohne finanziellen Anreiz der Regierung oder Wirtschaft ein doppelt so teures Fahrzeug zu erwerben, um die Umwelt zu schützen, verlief kontrovers.
Einigkeit bestand immerhin in der Frage der allgemeinen Weiterentwicklung der Technologien und deren Einführung auf Deutschlands und Japans Straßen. Ein klares Ja für CO₂-arme Fortbewegung.